Platten des Monats 2012 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platten des Monats 2012

Platte des M.
Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur Platte des Monats ...
Jahrgang 2012
AusgabeTextPlattencover
12 / 2012
11 / 2012
Don Felder unterstreicht mit seinem zweiten Studio-Album seine Klasse als Musiker. 
Das Leben von Don Felder könnte ein Beweis für die Tatsache sein, dass Geld nicht alles ist: Er trennte sich von den Eagles, seine Heirat war nach 29 Jahren zu Ende und keiner wollte mehr etwas von ihm hören. Das berührte ihn dermaßen, dass er sich entschloss, alles das aufzuschreiben. Das Resultat: Ein Bestseller 2008 und das Bedürfnis, die Geschichten seines Lebens in Songs zu fassen. Deswegen gibt es jetzt Road To Forever und es zeigt Felder als einen Musiker ersten Ranges. Er hat nicht nur alle 12 Lieder selbst geschrieben, sondern agiert durchgehend als Sänger und seine Gitarre steht genauso im Mittelpunkt wie in seinen besten Jahren bei den Eagles. Der Mann, der seit seinem ersten Solo-Album 1983 nicht mehr als Musiker auftauchte, bringt plötzlich eine fast makellose Westcoast-Platte heraus, die demonstriert, wer die Musik zu Hotel California oder Victim Of Love schrieb. Das ist eine poppige, rockige Platte eines Mannes, der seine Stimme wieder entdeckt hat. Lieder wie Fall From The Grace Of Love, Girls In Black, I Believe In You, Someday, Heal Me oder Life´s Lullaby sind bester poppiger Rock mit der Hinwendung zum Westcoast-Sound, den er mit Größen der Szene wie Crosby, Stills & Nash, Tommy Shaw und der Hälfte von Toto umgesetzt hat. Die CD ist ein gelungener Talentbeweis des Mannes, der in allen seinen Bereichen ausgezeichnete Leistungen gebracht hat. Felder hat die Souveränität eines Könners zurück gewonnen und ist wieder der Musiker, der er während seiner Zeit bei den Eagles war. Für alle Fans ist es sehr erfreulich, dass er wieder der Mann geworden ist, der er einmal war. Diese Platte ist der beste Beweis. 

Membran 233655
10 / 2012
Bob Dylan beweist mit seinem 35. Studio-Album einmal mehr sein herausragendes Können. 
Es ist sicher kein Zufall, dass Bob Dylan zu seinem 50. Geburtstag auf Schallplatten eine Produktion veröffentlicht, die alle seine Stärken besitzt. In den letzten Jahren schaffte er eines der aufsehenerregendsten Comebacks der Rockmusik. Seine neuen CDs standen plötzlich auf beiden Seiten des Atlantiks auf dem ersten Platz und das, obwohl sein Gesang nach wie vor nicht seine herausragende Fähigkeit ist. Aber wie er damit umgeht, überzeugt auch auf Tempest, das ebenfalls nicht zufällig nach einem Stück von Shakespeare benannt wurde. Passend dauert das Titelstück über 14 Minuten und handelt vom Untergang der Titanic. Doch die eher düstere Stimmung dieses zentralen Liedes ist nicht typisch für diese CD, die gleichzeitig mit Duquesne Whistle oder Soon After Midnight heitere Lichtblicke besitzt. Man wird weder Dylan noch dieser Platte gerecht, wenn man es, wie einige Kritiker, auf einen einzigen Aspekt verengen will. Das ist ungefähr genauso schlüssig wie die Schlussfolgerung amerikanischer Kollegen, dass diese CD die letzte von Dylan sein wird, weil auch das namensgebende Stück von Shakespeare sein letztes war. Nun sind viele Rock-Kritiker dafür bekannt, gerne Dinge in Alben hinein zu geheimnissen, die nur in ihrem Kopf existieren, aber hier reicht die Musik völlig aus, um sich darüber zu verbreiten. Sowohl seine Band mit Charlie Sexton und David Hidalgo als auch der Mann selbst treten hier in einer glänzenden Form auf und Dylan als Songschreiber braucht eh keine Lobsprüche mehr, weil er sie in seiner Karriere alle bereits erfahren hat. Diese Platte ist einer der Höhepunkte seiner Laufbahn und sollte so gewertet werden.

Columbia Sony Music
09 / 2012
Charlie Simpson hat mit Young Pilgrim eine herausragende Singer & Songwriter-CD vorgelegt
Wenn man mit 27 Jahren schon mit zwei Bands Erfolg gehabt hat, steht die Frage an, was man eigentlich noch machen will. Charlie Simpson schlug nach Busted und Fightstar einfach die Richtung ein, die ihm früher am Herzen lag: Crosby, Stills, Nash & Young und Harmonien. Daraus entstanden die Songs, die man hier hören kann und die sowohl im Singer/Songwriter-Bereich als auch in dem des Pop liegen. Sowohl die Abwechslung bei den Arrangements als auch bei den Liedern besitzt eine Qualität, die weit über die der großen Schwemme hinausgeht, die im Gefolge der Americana- und New Folk-Bewegung auf den Markt gekommen ist. Das liegt zum einen an den oben genannten Umständen, aber genauso an den Fähigkeiten von Simpson und an seinen Songs, die die Tugenden der bisherigen Stationen seiner Karriere mit dem neuen Stil in Übereinklang bringen. Da gibt es schöne Melodien ebenso wie feine Vokalharmonien und mitreißende Instrumentalpassagen. Auffallend ist, dass nach einem akustischen Anfang Simpson relativ schnell zur poppigen Sache kommt. Diese Grundrichtung macht die Qualität der CD aus, die zwischen den Polen schwankt. Songs wie All At Once, Cenetery, I Need A Friend Tonight oder If I Lose It hätten auch von seinen früheren Bands kommen können, sind aber dank der Instrumentierungen typisch für die neue Richtung, die Simpson eingeschlagen hat. Das Songschreiben ist mindestens genauso wichtig wie vorher, aber die Arrangements erlauben wegen der geringeren Lautstärke weniger Fehler. 

SM Records SICCD002 / Rough Trade
08 / 2012
Mit Childhood´s End legt Ulver eine bezaubernde Reise durch die psychedelische Musik vor.
Die Erinnerung schreibt mit goldenen Buchstaben lautet ein chinesisches Sprichwort und es umschreibt am besten die Wandlung eines Jahrzehnts, von dem einer, der dabei war sagte: „Wer sich daran erinnert, war nicht dabei.“ Sicher war nicht alles toll, was die 60er Jahre betrifft – ganz im Gegenteil: Bis zum Ende des Jahrzehnts waren die politischen Verhältnisse eher deprimierend. Aber die Musik, die von 1966-1968 aus England und den USA kam, ist seitdem ein Teil des Erbes der populären Musik geblieben. Diesen Reichtum hat die norwegische Band Ulver jetzt für Childhood´s End angezapft. Auf 16 Tracks nahm das Quartett mit diversen Gastmusikern Titel von den Troggs bis zur Music Machine auf, wobei sie teilweise auch obskures Material von Gandalf oder The Common People berücksichtigte, neben Hits der Ära von den Electric Prunes oder Jefferson Airplane. Und das haben sie nicht etwa im Klang der Ära getan, sondern mit ihren Mitteln. Tatsächlich wurde das Material 2008 und 2011 in den passend benannten Crystal Canyon Studios in Oslo aufgenommen. Ein großes Kompliment geht an die Formation, weil sie das Material nicht nur sehr gut ausgewählt, sondern es auch noch ausgezeichnet zusammengestellt hat. Es gibt Rocker, Balladen und alle Titel beweisen, wie aktuell die Musik aus der psychedelischen Ära sein kann. Die moderne Technik unterstützte natürlich die Aktualisierung der alten Stücke. Wie so oft, wenn eine Renovierung alten Materials mit der modernen Technik veranstaltet wird, klingt es zeitlos.

Kscope / Snapper 216
07 / 2012
Die Royal Southern Brotherhood verdient sich ihren Namen mit einem makellosen Erstling.
Im Süden der Vereinigten Staaten ersetzen Musiker heute oft den Adel. Familien wie die Nevilles oder die Allmans haben einen legendären Ruf und alles, was Besitzer der Namen anfangen, besitzt Neuigkeitswert. Die Band, um die es hier geht besteht aus Devon Allman, Cyril Neville und Mike Zito, die sich im Sommer 2010 im Warehouse in New Orleans trafen. Bald begannen die ersten Jams und schnell zeigte sich, dass hier eine echte Chemie zwischen den Beteiligten existierte. Dazu kamen der Bassist Charlie Wooton und der Schlagzeuger Yonrico Scott, der auch schon mit den Allman Brothers spielte. Doch das, was das Quintett hier vorgelegt hat, hat nur sehr teilweise mit den berühmten Bands zu tun, an denen sie selbst oder ihre Väter beteiligt waren: Das ist kein Southern Rock und kein Soul, sondern Bluesrock, der sich freilich auch von den anderen Stilarten beeinflussen ließ. Natürlich stehen Cyril Neville als Sänger der meisten Songs und die beiden Gitarristen im Vordergrund, aber schon der erste Song des Ganzen, New Horizons beweist mit seinem Groove, dass da eine echte Einheit zugange ist und dieses Gemeinschaftsgefühl zieht sich durch die ganze CD. Das ist verdammt guter, bluesiger Rock, der immer wieder auch Abstecher in die Richtung Soul unternimmt, wie beispielsweise bei der Coverversion eines der bekanntesten Lieder der Neville Brothers, Fire On The Mountain. Wie bei den besten Southern Rock-Platten ist es der Groove, der zählt und der den Hörer problemlos in den Sog der Musik einbezieht.

Ruf/In-akustik 0621180
06 / 2012
Mit ihrer dritten CD haben Wrinkle Neck Mules ein Meisterwerk des modernen Countryrock vorgelegt.
Eigentlich könnte man die Sucht der Musikindustrie, alte Stilarten neu zu benennen, um sie als zeitgemäß und modern zu verkaufen, ironisch finden. Aber manchmal geht es einem schon auf den Keks, wenn etwa feststehende Stilbegriffe nach dem Bedürfnis einer neuen Zeit umgewidmet werden oder etwas mit einem anderen Label versehen wird, nur damit es besser klingt. Das zeigt zum einen das Misstrauen der Plattenfirmen in die Qualität der Musik, die sie verkaufen und zum anderen das Bewusstsein der leitenden Herrschaften, dass alle ein solch kurzes Gedächtnis haben wie sie. Dem ist natürlich nicht so und deswegen sollte man das, was die Wrinkle Neck Mules aus Richmond in Virginia bringen als das benennen, was es tatsächlich ist: Countryrock der klassischen Art, der seine Inspiration genauso vom Country wie vom Rock her genommen hat. Was das Quintett von Bands wie den Flying Burrito Brothers unterscheidet und sie im Fahrwasser von solchen wie der Pure Prairie League schippern lässt ist die Tatsache, dass die elektrische deutlich mehr im Vordergrund steht als die Pedal Steel Gitarre. Und wie bei den Klassikern macht das Nebeneinander von starken Songs, ausgefuchsten Gitarrensoli und feinen Melodien den Reiz des Ganzen aus. Dass dabei sowohl Elemente des Folk, der Countrymusik und des Southern Rock um die Ecke schauen, ist kein Wunder, aber erfreulich. Das Kreativtrio um Chase Heard, Andy Stepanian und Mason Brent hat ein Bündel toller Lieder ebenso verfasst wie selbst produziert. Ein Meisterwerk.

Blue Rose DP0571/Soulfood
05 / 2012
Santiano erneuern mit Bis ans Ende der Welt die Tradition der Shanties und verknüpfen sie mit Rock.
Jeder, der die echte Volksmusik mag – bestimmt nicht die gräusliche moderne Schlagermusik, die als volkstümliche Musik verkauft wird – weiß, dass sie oft rockt. Viele Volkslieder haben einen implantierten Rhythmus, den man nur noch leicht anzustoßen braucht, und schon geht es ab. Das setzte Achim Reichel mit seinem wunderbaren Dat Shanty Alb´m um und genau dasselbe machte jetzt eine Gruppe altgedienter Herren aus der Hamburger Szene, die sich Santiano nennen und es mit zig Knoten in die Charts geschafft haben. Dabei ist das natürlich schlimmste Geschichtsklitterei, denn die Seefahrt, die in den Liedern auftaucht, gab es nie und heute ist sie eh Lichtjahre davon entfernt. Das ändert nichts daran, dass die Lieder auf dieser CD sofort mitreißen. Angefangen mit dem Lied, der der Gruppe den Namen gab bis zu Land in Sicht klappt die Mischung aus Klassikern, Texten mit bekannten Melodien – so erhielt etwa Scarborough Fair einen neuen Inhalt – und eigenen Liedern ausgezeichnet. Der Gruppengesang, die gut austarierten Arrangements und die cleveren Texte, die nichts auslassen, was es als Klischees über die Seefahrt gibt, ergeben zusammen eine ungemein fetzige Platte, die vom Anfang an rockt. Dies schafft sie nicht deswegen, weil elektrische Instrumente den Takt vorgeben, sondern weil der den Liedern innewohnende Rhythmus geschickt ausgenützt wurde und der Gesang den Drive vorgibt, der die Lieder auszeichnet. So ist das Folkrock wie er im Buch steht und wie man ihn leider kaum mehr hören kann.

Koch Universal 2793413
04 / 2012
Alias Eye besinnt sich auf ihrem vierten Album In-Between auf den Klang ihrer frühen Jahre.
Dass man mit progressivem Rock nicht die ganz großen Sprünge machen kann, ist nicht gerade die heißeste Nachricht. Aus den schleppenden Absätzen erklären sich die vielen Hobbybands, die gerade Musiker prominenter Gruppen aufziehen. Wenn man aber nicht weltweit bekannt ist, kann man so etwas nur als Nebenberuf aufziehen und das ist das Dilemma der Mannheimer Band, die ein fantastisches Debüt vorlegte und danach etwas schwächelte. Diesmal jedoch hat sie sich auf ihre Stärken konzentriert und wieder eine CD mit progressivem Rock vorgelegt, der sich eng an die 70er Jahren anlehnt. Das ist auch deswegen kein Wunder, weil Leadsänger Philip Griffiths der Sohn des Sängers von Beggars Opera, Martin Griffiths ist, von der sie hier auch den Titel Time Machine covern. So gut dieses Lied ist, es fügt sich dennoch harmonisch in das restliche Material ein, das genau den richtigen Abstand zu den 70ern genauso wie zum modernen Klang hält. Elektronik taucht nur sporadisch auf, die Lieder sind solche und es besteht nie eine Verbindung zum Heavy Metal. Vor allem aber haben sich die Mannheimer auf die klassischen Tugenden einer Rockplatte verlassen: Es gibt wunderbare Lieder, starke Leistungen der Instrumentalisten und das alles wurde so miteinander verwoben, dass daraus eine ausgezeichnete Platte resultiert, die sich mit den großen Vorbildern messen kann. Highlights wie Break What We Know, Time Machine und Distant Memories ragen zwar heraus, sind aber nur Höhepunkte einer uniform guten Produktion.

Quixote Music / Progrock Records PRR 023
03 / 2012
Buddy Whittington beweist mit Six String Svengali, dass er einen eigenen Sound hat.
Die Band von John Mayall, die Bluesbreakers, ist so etwas wie die inoffizielle Schule des weltweiten Bluesrock. Wer bei dem Altmeister des Bluesrock gespielt hat, besitzt die Chance, nach seinem Engagement eine eigene Karriere aufzuziehen. Das machte auch der Gitarrist aus Texas, nachdem er 15 Jahre mit Mayall auf der Bühne und im Studio stand. Dies ist erst seine zweite Soloplatte, aber sie beweist, dass er eine Menge von seinem Mentor gelernt hat. Das ist eine abwechslungsreiche, ausgefuchste und substantielle Bluesrock-CD geworden, auf der Whittington demonstriert, wie gut er als Sänger, Gitarrist und Songschreiber ist.Das fängt an mit dem Fetzer Back When The Beano Was Boss, wird fortgesetzt mit dem jazzigen Deadwood And Wire. Darauf folgt das melodische My World Revolves Around You, während das witzige Ain´t Got The Sratch, mit dem Whittington an ZZ Top anknüpft, wieder in den Rock zurückkehrt. Dieser Mix setzt sich fort, schließt ein Instrumental mit ein und beweist, dass der Titel der CD – auf deutsch: Sechs Saiten Guru – durchaus zurecht besteht. Denn nicht nur seine Wandelbarkeit, sondern auch die schiere Power, die er mit seinem Instrument erzeugen kann, beeindrucken. Genauso überzeugend fielen die durchwegs von ihm geschriebenen Songs aus, die das gesamte Spektrum des Bluesrock abdecken und seine Qualitäten auch auf diesem Gebiet demonstrieren. Letztlich sind es sowohl seine umfassenden Fähigkeiten als Musiker wie auch die als Produzent, die zu dieser beeindruckenden CD geführt haben. Darauf wäre auch Mayall stolz – daran kann kein Zweifel bestehen.  

Hatman 2028 / Soulfood
02 / 2012
Mit Slave Ambient legen War On Drugs ein Meisterwerk der modernen Rockmusik vor.
Vorausgesetzt, dass der Begriff moderne Rockmusik aussagt, das es keinen fest umrissenen Stil gibt, ist die Band aus Philadelphia um ihren Kopf John Granduciel die ideale Verkörperung dieser Definition. Denn obwohl sie, wie der Titel ihrer zweiten CD bereits aussagt, wohl eher von der Ambient Music herkommt als vom Rock, ist dieses Album ganz gewiss eines nicht: Ambient Music. Die Tatsache, dass Granduciel dieses Werk in den vier letzten Jahren hergestellt hat spricht dafür, dass er von Jams ausging, aus denen nach und nach Songs wurden. So ungewöhnlich die Beschreibung klingt, aber um Lieder handelt es sich tatsächlich. Nicht nur, weil ab und zu gesungen wird, sondern vor allem, weil sich stets aus den zunächst oft unbestimmten Strukturen melodische Muster ergeben, die Granduciel sowohl mit seiner Gitarre wie mit dem Synthesizer vorgibt. Aus diesen Umfeldern entstehen dann scheinbar ziellos Jams, die aber immer eng am melodischen Thema bleiben, dennoch die Kompositionen weiter vorantreiben. Die beste Beschreibung ist die der Musik als Fluss, der zwar oft gleich dahin zu fließen scheint, aber sich letztlich immer wieder ändert. Damit ist eine der großen Qualitäten der CD angesprochen: Ihre selbstverständliche Entwicklung der Themen ebenso wie die zwanglosen Improvisationen der Melodie-Instrumente, die immer wieder absolut in den Rahmen der einzelnen Stücke passen. Ein Meisterwerk der improvisierten Rockmusik mit wunderbaren Melodien und einem exquisiten Klangbild.

Secretly Canadian SC 160
01 / 2012
Mit seinen Versionen von Liedern von John Lennon bringt Bill Frisell Jazz vom Feinsten.
Schon das Thema von All We Are Saying ist für einen der führenden Jazz-Gitarristen mit leichtem Hang zur Avantgarde ein Wagnis: Eine CD mit Kompositionen der Beatles, und zwar von John Lennon, einzuspielen, könnte ja tatsächlich ein echter Erfolg werden. Dabei macht der Gitarrist aus New York nur etwas, was schon immer eine der Grundtugenden des Jazz war: Sich Kompositionen von anderen zu Eigen zu machen und sie so zu spielen wie man der Meinung ist, dass es sich gehört. Und nicht nur das: Frisell interpretiert die Titel meistens im Trio, zusammen mit dem Pedal Steel-Gitarristen Greg Leisz und der Violinistin Jenny Scheinman, die sich mit den Improvisationen abwechseln. Was von Anfang an deutlich wird – und der Opener Across The Universe ist ein ausgezeichnetes Beispiel für die Produktionsmethode von Frisell & Co. – ist, dass es um den Komponisten John Lennon geht und nicht den Sänger. Wie Frisell die Melodien in eng verwobenen Linien herausarbeitet und immer wieder neu aufbereitet, das ist ebenso faszinierend wie beeindruckend. So ging er mit den meisten anderen Titeln vor, wie sogar mit so einem in Richtung der Avantgarde gehenden Number 9 Dream, bei dem er eine Melodie findet, die bei dem Original kaum aufzutreiben ist. Das macht die Platte so faszinierend, dass Frisell sowohl als Instrumentalist wie als Arrangeur Herausragendes geleistet hat. Aber das ist kein Pop, sondern immer noch Jazz. Obwohl Frisell und Co. immer eng bei den Melodien bleiben, improvisieren sie doch ständig und das ist schlicht beeindruckend.

Savoy Jazz SVY 17836 / Universal

 
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