Platte des Monats 2013 - Plattensammeln - das schwarze Gold der Musikfreunde

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Platte des Monats 2013

Platte des M.

Jeden Monat wählt die Redaktion des Oldie-Marktes eine Platte zur Platte des Monats ...
Jahrgang 2013

Ausgabe

Text

Plattencover

12 / 2013

Die zweite Soloplatte von Steve Cradock ist eine faszinierende Zeitreise in die 60er Jahre.
Jeder, der sich mit der Rockmusik auseinandergesetzt hat weiß, dass ihre große Zeit in den 60er und 70er Jahren war, als mit der Musik gleichzeitig eine Jugendrevolution verbunden war, die alle Lebensbereiche umfasste. Man muss nicht blauäugig oder naiv sein, um von den Werten dieser Zeit berührt zu werden und die Musik von damals hat ihren Charme behalten, der sie schon damals unwiderstehlich gemacht hat. Da ist es kein Wunder, dass ein Spätberufener wie Steve Cradock, der als Kopf der Ocean Colour Scene seit den 90ern von sich reden machte und zudem mit Paul Weller und Amy MacDonald auftrat, sich auf die Musik von damals beruft, um sein zweites Solo-Album Travel Wild – Travel Free zu lancieren. Wie er die Elemente der 60er Jahre mit seinen Songs verbunden hat, das demonstriert, was für ein Könner er ist. Schon der Opener Anyway The Wind Blows, den er mit seiner Frau Sally schrieb, bezaubert durch die atmosphärisch dichte Stimmung und die Melodie. So geht es auch weiter. Vor allem die wunderbaren Melodien, die Cradock und seinen Ko-Autoren – neben Sally Cradock Chris Difford von Squeeze, Andy Crofts und Steve Pilgrim - einfielen, adeln diese Platte, die ganz zwanglos und ohne Krampf die Verknüpfung mit den 60er Jahren herstellt. Im Gegensatz zum Stoner Rock, der nur die Jams der psychedelischen Musik nachahmt, ist es Cradock gelungen, zum Kern der Pop- und Rockmusik vorzudringen, die in ihrer Naivität ebenso wie der Freude über die neu entdeckten Möglichkeiten bestand.


Proper Records PRPCD 115 / Rough Trade

11 / 2013

Mit ihrem Debüt legen Stone Diamond ein fantastisches Album Bluesrock vor.

Man muss nicht in 15 Bands gespielt zu haben, um Erfahrungen in der Rockmusik Erfahrung zu sammeln. Cy – Bassist, Sänger, Songschreiber und Produzent – Josh – Gitarrist und Sänger – und The Tongue – Schlagzeug – fingen alle in ihrer Kindheit mit der Rockmusik an und haben es seitdem in verschiedenen Bands in New York und Köln versucht, nach oben zu kommen. Zu dritt haben sie es fertig gebracht, eine fast makellose Platte zwischen Blues, Rock und Pop einzuspielen, wobei die Hauptfigur definitiv Cy ist, der alle Songs schrieb, den Bass zupfte und sang. Josh steuert als knochentrockener Gitarrist allerdings einen wesentlichen Teil des Klangs bei. Und der markante Rhythmus von The Tongue hält das Trio am Boden. Doch im Vergleich zu den Songs ist das zwar wichtig, aber die Kompositionen von Cy bilden das eigentliche Kapital der Jungs, weil sie vom Rocker bis zur melodischen Ballade alles aufbieten, was man in der Rockmusik haben sollte, um erfolgreich zu sein. Dafür ist schon der Auftakt der CD repräsentativ: Auf den Rocker Love Stays folgt die Ballade Let It Roll und das ebenso rockige wie melodische Flavor Of Tears. So geht es weiter und weil die Abwechslung das Salz in der Suppe der Rockmusik ist, haben es Cy als Songschreiber und seine Mitstreiter als Musiker verstanden, ihre Quellen so geschickt einfließen zu lassen, dass der Blues, der Rock und der Pop zwar omnipräsent sind, aber so geschickt verborgen wurden, dass ein eigener Klang dabei herauskam. Das ist eine absolute Meisterleistung, die die drei da abgeliefert haben.


Davin Enterpreises DE-1310-1/CD Baby

10 / 2013

Maysa Leak beweist mit ihrem zehnten Album Blue Velvet Soul ihre Klasse als Sängerin.

So schwachsinnig es ist, aber tatsächlich hat man in den USA keine Chance, im Radio gespielt zu werden, wenn man nicht in eines der vorgegebenen Stilschemata passt. Maysa Leak aus Baltimore wird bei unseren amerikanischen Freunden im Jazz verortet – bitte Ohren wieder richtig einhängen! Tatsächlich ist die Sängerin und Songschreiberin, die ihre Karriere als Sängerin in der Backing-Group von Stevie Wonder, Wonderlove, begann und dann nach London zu Incognito weiterzog, knietief im Soul und hat mit Jazz absolut gar nichts zu tun. Und das ist gut so, denn auf ihrer zehnten Soloplatte beweist sie, dass der klassische sanfte Soul nach wie vor seine Daseinsberechtigung besitzt. Wie sie diverse Liebesschwüre oder Verhaltensmaßregeln an ihren Partner bringt, muss man erlebt haben, um zu wissen, zu was Gesang in einer Stilart der Popmusik alles fähig ist. Dabei geht es nicht um Power, sondern um die genau richtige Phrasierung und Betonung. Das beherrscht die Dame perfekt, die an sechs der 15 Lieder als Ko-Autorin beteiligt war. Dazu kommen die perfekten Arrangements, die gemäß den modernen Verhältnissen teilweise komplett elektronisch gehalten wurden und von einem der Produzenten, Carl Davis, selbst eingespielt wurden, während an anderen Songs auch mehrere Musiker beteiligt waren. Aber das ist nicht so furchtbar wichtig: Im Vordergrund steht Maysa Leaks und ihre Stimme und die bringt soviel Persönlichkeit und Erfahrung mit, dass man sofort weiß: Hier steht eine Dame, die all das, was sie singt, selbst erlebt hat. Das macht die CD zusätzlich faszinierend.


Shanachie / In-akustik 0355406

09 / 2013

Mit Deep Deep Blue hat Dudley Taft ein Meisterwerk des bluesigen Rock abgeliefert.
Der Blues stand am Anfang der populären Musik moderner Zeitrechnung und ohne ihn geht nicht viel. Allgemein ist er ein simpler Stil, aber einer seiner Vorzüge ist es, praktisch mit jedem Klang verbunden werden zu können. Wie das funktionieren kann, führt der Songschreiber, Gitarrist und Sänger Dudley Taft vor, der seine Karriere im Seattle der 90er Jahre mit Grunge und Post-Grunge begann und nach seinem Solo-Debüt 2011 nach Chapel Hill in South Carolina umzog, wo er näher an den Orten liegt, in denen er auftreten und touren kann. Damit sollte er nach dieser Platte keinerlei Probleme mehr haben, denn Deep Deep Blue ist trotz des programmatischen Titels kein reines Bluesrock-Album geworden, im Gegenteil: Zwar ist der Blues omnipräsent, aber Taft (ein direkter Nachfahre des 27. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, William Howard Taft) benützt ihn vor allem als Sprungschanze, die ihn zu anderen Stilen katapultiert, sei es der Rock, der Country oder auch der Pop. Dank der ausgezeichneten Songs, die er schrieb und die sich mit den drei Coverversionen von Lou Reed (Sally Can´t Dance), Bob Dylan (Meet Me In The Morning) und Freddie King (Palace Of The King) ideal verbinden, präsentiert sich Taft als individueller Künstler, der bereits seinen eigenen Stil gefunden hat. Sowohl seine Bandbreite als auch seine stimmlichen und instrumentalen Fähigkeiten machen ihn zu einem Musiker, den man für die Zukunft unbedingt auf der Rechnung haben sollte. Denn soviel Können führt in unserer Zeit fast notwendigerweise zu Ruhm und Reichtum.

MIG 20122 / Sony Music

08 / 2013

Volbeat haben mit Outlaw Gentlemen & Shady Ladies den Sprung in die Mitte der Rockmusik geschafft.
Gewisse Stilarten schließen Massenerfolg zwar nicht aus, machen ihn aber zumindest schwer. Die Dänen von Volbeat fingen mit einem Heavy Metal an, der näher beim Punk als bei der klassischen Art des Genres lag. Inzwischen sind sie einige Jahre lang im Geschäft und haben sich anscheinen daran erinnert, dass man auch anders ehrlich zu seiner Musik sein kann. Auf Outlaw Gentlemen & Shady Ladies holzen sie immer noch, aber haben zu den harten Hintergründen krachende Melodien geschrieben, die die ganze Musik plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lassen. Ob sie glücklich damit sind, von den Frühaufdrehern des Bayerischen Rundfunks zur Platte der Woche gekürt zu werden, müsste man sie selbst fragen. Aber sicher ist, dass so etwas von einem öffentlich-rechtlichen Sender so etwas wie einen kommerziellen Ritterschlag darstellt. Und den haben sich die Jungs um ihren Sänger und Songschreiber Michael Schøn Poulsen verdient, vor allem, wenn man bedenkt, dass er in den 90er Jahren noch mit Dominus Death Metaspielte. Von denen trennte er sich, weil sie stilistisch zu eingeschränkt waren. Heute hat er zu einem Klang gefunden, der noch weiter entfernt ist von dem, womit er einmal angefangen hat. Auf der anderen Seite rocken die Jungs nach wie vor, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre. Und speziell live sollte man nicht glauben, dass sie so melodisch zu Werke gehen wie auf dieser Platte. Denn im Herzen ist das Quintett nach wie vor eine beinharte Rockband und das lebt sie im Konzert jedes Mal vor.

Vertigo Universal 3734011

07 / 2013

Das vierte Album von Poor Genetic Material bietet besten modernen progressiven Rock.
Ob Artrock überhaupt noch existiert, darüber könnte man trefflich streiten. Aber wenn eine Gruppe
Ulysses von James Joyce als Vorlage für eine Platte nimmt – was ist mehr Kunst als einen der größten Romane der Literaturgeschichte in Musik umzusetzen? Deswegen lautet auch der Titel der vierten CD von Poor Genetic Material One Day In June, weil sich das gesamte Buch an einem Tag im Juni abspielt. Philip Griffiths hat sich bereits einen guten Namen mit Alias Eye gemacht, wo er eine Familientradition fortsetzte, war sein Vater Martin doch der Sänger von Beggar´s Opera auf ihrer ersten LP. Vor allem der Anfang der Platte ist absolut fantastisch: Ob die atmosphärisch dichte Einführung, die feine Melodie oder die Interaktion zwischen dem Gesang und den Instrumenten: Alles absolut passend, alles eingängig und alles moderner progressiver Rock, wie er im Buch steht. Dass man ein solches Niveau nicht über eine gesamte CD halten kann, versteht sich von selbst. Deswegen geht es etwas nach unten, ohne jedoch deswegen nicht hörenswert zu seinGerade bei der problematischen Thematik der Vorlage ist es umso beachtlicher, wie gut die Texte gelungen sind, wie sie musikalisch umgesetzt wurden und dass sie sicherlich eingängiger geraten sind als das Buch. Doch für viele Fans geht ein anderer Wunsch in Erfüllung: Philip Griffiths singt gemeinsam mit seinem Vater Martin auf drei Stücken zusammen und es ist interessant zu hören, wie sich die beiden ergänzen. A Day In June ist ein blitzsauberes Stück moderner progressiver Art von einer Substanz, die  selten ist.

QuiXote Music QXT CD 68 / H´art

06 / 2013

Mit ihrem Debüt legen Yast aus Schweden das Musterbeispiel eines Gitarrenpop-Albums vor.
Man kann nicht unbedingt behaupten, dass die Gitarre in der Rockmusik je durch ein gleichwertiges Instrument ersetzt worden wäre – trotz aller Versuche in die andere Richtung. Insofern könnte man fast alle Genres aus der Ecke als Gitarrenrock bezeichnen, aber seit den späten 70er Jahren sorgten Gruppen wie Big Country, R.E.M. und andere dafür, dass die Weiterentwicklung der Musik der Byrds durch die Verzahnung der Gitarren zu einem eigenen Stil wurde, der seitdem immer wieder auflebte – beispielsweise im 21. Jahrhundert einmal mehr in England. Dass er inzwischen in Schweden angekommen ist, beweist niemand besser als Yast. Seit 2012 macht das Quartett aus Malmö zuhause von sich reden und mit diesem Erstling wird es weit darüber hinaus Kreise ziehen, weil die Qualität seiner Songs – die alle von der gesamten Band geschrieben wurden – einfach aus dem gewöhnlichen Sound herausragt. Dafür sind drei Bestandteile verantwortlich: Zum einen die oft im Falsett daherkommende Stimme von Marcus Norberg, die vielen Liedern ihren Stempel aufdrückte; zum zweiten der typische Klang der Tracks, bei denen immer die Gitarren im Mittelpunkt stehen, natürlich eng verzahnt und oft stark an den flirrenden 12-Saiten-Sound der Byrds erinnernd; und zum dritten die sanften Melodien, die sich aus diesem Klang-Gitter herausschälen und des Öfteren den Hörer voll auf die Neun treffen. Was beeindruckt ist zudem die sanfte Herangehensweise der Jungs, die nur selten ihre Lautstärkeregler nach oben drehen – schlicht schön.

Adrian Recordings arcd 147/Broken Silence

05 / 2013

Mit ihrem Debüt haben die Pearlbreakers aus der Schweiz ein feines Poprock-Album aufgenommen.
Es gibt Stilarten der Rockmusik, die es erst seit einigen Jahren gibt und es gibt Genres, die schon immer aktuell waren, weil sie zeitlose Musik präsentieren. Zu letzterem gehört fraglos der Poprock, der zu allen Zeiten der Rockmusik Triumphe feierte. Der Grund dafür ist einfach: Eine starke Melodie mit knackigem Rock zu verbinden reißt jeden Hörer mit und sorgt für kräftige Umsatzzahlen. Alessandro Rosi und Raphael Felber trafen sich in einer Bar im Londoner Stadtteil Covent Garden und beschlossen angesichts der Tatsache, dass es gerade 2010 geworden war, musikalisch etwas zusammen zu tun. Zurück in der Ostschweiz suchte man sich Mitstreiter, schrieb Songs und erarbeitete sich einen Sound. Am Ende steht Proof On The Way, das tatsächlich hält, was sich die beiden ausgedacht haben. Das ist nahezu perfekter Poprock, bei dem die Melodien genauso stimmen wie der Gesang, die Arrangements wie die Produktion von Gianna Nannini-Bassist Felix Müller. Im Zentrum jedoch stehen die Songs und da hatten Rosi und Felber eine gute Hand. Die Mischung aus Balladen und schnelleren Songs passt ebenso wie die aus den Melodien und den rockigen Teilen. Dabei halfen die Gebrüder Eberle an Leadgitarre und Schlagzeug. Zusammen ist das eine Platte, die vom Klang her zwar eigentlich altmodisch ist, aber Qualität hat keine Altersgrenze. Deswegen kann man die CD jedem empfehlen, der auf melodische Rockmusik mit einigen knackigen Soli, schönen Refrains und einer guten Produktion steht – ganz so wie in den 70er Jahren eben.

N-Gage Productions NG 02401-2/NMD 

04 / 2013

Boz Scaggs demonstriert auf seinem Comeback-Album Memphis seine Fähigkeiten als Interpret.
Ob in der Steve Miller Band oder als Solist in den 70er und 80er Jahren: Scaggs war immer sowohl Songschreiber als auch Interpret und Arrangeur. Seine Eleganz setzte er auf solch legendären Alben wie Slow Dancer und Silk Degrees um und feierte damit riesige Erfolge. Danach machte er Pause, brachte noch einige erfolglose Platten auf den Markt und kehrt jetzt mit einem Album zurück, das alle seine Stärken bündelt. Es ist sicher kein Zufall, dass er nach Memphis in die Royal Studios von Willie Mitchell ging, wo beispielsweise die meisten Hits von Al Green entstanden. Sondern was er und sein Produzent Steve Jordan – bekannt als Bassist der Rolling Stones – wollten war, das Feeling der 60er Jahre ins neue Jahrtausend zu transportieren. Das ist ihnen ausgezeichnet gelungen. Nach dem brillianten Türöffner Gone Baby Gone – einem von zwei Originalen von Scaggs – folgen Klassiker wie So Good To Be Here von Al Green, Mixed Up, Shook Up Girl, Rainy Night In Georgia oder Cadillac Walk, die von anderen, nicht ganz so berühmten Lieder aus der großen Bibliothek des Soul und Folk wie Corrina, Corrina flankiert werden. Allen Liedern sind drei verschiedene Merkmale eigen: Zum einen der exquisite Gesang von Scaggs; zum zweiten die Arrangements, die alle zurück in der Zeit gegangen sind und das klassische Rock-Instrumentarium verwendet haben und schließlich die Produktion von Jordan, der den warmen Sound der 60er und 70er Jahre installierte, wie er damals in den Studios in Memphis gang und gäbe war. Diese CD ist bereits jetzt ein Klassiker von Scaggs. 

429 FTN 17889 / Sony Music

03 / 2013

Golden Earring haben mit Tits´n´Ass ein reifes Alterswerk vorgelegt.
Klassische Bands sind das nicht deswegen geworden, weil sie Jahrzehnte lang schlechte Musik gemacht hätten, sondern weil sie wie die Holländer über 50 Jahre lang substantielle Rockmusik vorgelegt haben. Abgesehen davon, dass sie immer noch in der Quartettformation Barry Hay, George Kooymans, Rinus Gerritsen und Cesar Zuiderwijk antreten, wobei bei dieser Produktion der Gitarrist Frank Carillo half, klingen sie auch noch, als ob sie irgendwo in den 40ern hängen geblieben wären. Es ist kaum zu glauben, dass die Herren über 60 sind. Doch ihre Musik ist wie in den 70er und 80er Jahren nach wie vor einfach bockstarker Rock, der sowohl die richtige Härte als auch die guten Melodien als auch den richtigen Mix aus eher akustischen und elektrischen Liedern besitzt. Da zeigt sich die Routine der Musiker im positivsten Licht, weil sie ihre Erfahrung nach wie vor mit der Energie von Rockmusikern, die scharf auf den Erfolg und die Arbeit im Studio und auf der Bühne sind, verbinden. Das hat sich bei dieser Produktion äußerst positiv niedergeschlagen, zumal die Jungs – sprich Barry Hay und George Kooymans – ein Bündel toller Lieder geschrieben haben: Identical, Cool As It Gets, Acrobats And Clowns, What Do I Know About Love, This Love, Flowers In The Mind oder Avenue Of Broken Dreams hätten alle auf den klassischen Alben des Quartetts in den 70er Jahren erscheinen können. Dass sie das nicht getan haben, sondern jetzt zu haben sind, spricht sowohl für die Band als auch für die Rockmusik, die immer noch Überraschungen bereithält. 

Universal 370 234-0

02 / 2013

Tom Gillam legt mit Good For You ein klassisches Singer/Songwriter-Album vor.
Man kann sicher einige stichhaltige Argumente dafür finden, dass die Rockmusik in den 70er Jahren ihre Blütezeit erlebte. Damals stand beispielsweise die Bewegung der Sänger und Songschreiber in voller Blüte. Künstler wie James Taylor, Jackson Browne, Neil Young oder David Blue legten Alben vor, die das Genre definierten und seitdem eigentlich nicht mehr erreicht wurden, obwohl seit einigen Jahren eine Renaissance des Stils stattfindet. Doch jetzt hat es der von der Ostküste stammende Mann geschafft, eine CD in der Qualität zu produzieren, die in den 70ern an der Tagesordnung war. Das gilt sowohl für die Qualität der Lieder wie für die der Musik, die öfter als zuletzt in die rockige Ecke geht, was wiederum für den Gitarristen Gillam die Chance bedeutet, sein nicht unbeträchtliches Können in die Wagschale zu werfen. Denn Gillam ist sowohl ein beachtlicher Songschreiber wie exquisiter Gitarrist und mehr als akzeptabler Sänger, der seine Lieder genau passend bringt. Das ist ein starker Mix aus gutem Rock, Country- und Pop-Balladen und Liedern, die von der Gitarre beherrscht werden. Dank der Produktion seiner Kollegen von US Rail, Ben Arnold und Matt Muir, kommt das ausgezeichnet ´rüber, weil sie eine ganz klassische Rockbesetzung favorisierten, die aus Schlagzeug, Bass, dem elektrischen Klavier und der Gitarre von Gillam besteht. Das kommt den Liedern absolut zugute, weil sie so direkt ins Ohr gehen und nicht von den Melodien abgelenkt werden. Das hätte auch in den 70ern für Furore gesorgt.

Blue Rose BLUDP0588 / Soulfood

01 / 2013

Markus Segschneider hat mit Hands At Work ein enorm abwechslungsreiches Album mit eigenen Stücken vorgelegt.
Platten mit akustischer Gitarrenmusik stehen immer vor zwei Möglichkeiten: Entweder nimmt man, um sein Können zu zeigen, berühmte Kompositionen aus der Literatur auf. Oder man wählt den härteren Weg, nämlich, eigene Stücke einzuspielen. Markus Segschneider hat seit 1997 und seinem ersten Solo-Album die letztere Route gewählt und sich auf Dauer einen ausgezeichneten Namen in der Szene gemacht. Nachdem er als Gitarrist der Artrockband Mad Tea Party erste Lorbeenen erntete, entschied er sich Ende der 90er, als Solist weiter zu machen. Diese CD dürfte der Höhepunkt seines bisherigen Schaffens sein, weil sie sein Können als Komponist und als Instrumentalist auf den Punkt bringt. Gute Instrumentalmusik muss einen Ersatz für den Gesang finden und da tauchen bei Segschneider zum Einen Akzente auf, die er mit seinem Instrument setzt, aber gleichzeitig auch Melodien, die den Hörer in die Musik hineinziehen. Beide Elemente hat Segschneider sehr geschickt verteilt. Mal sind es Kunststücke auf der Gitarre, mal ist es die schiere Schönheit eines Stücks, mal sind es Geräusche, die den Hörer an die Umwelt erinnern – all das fügt sich zu einem faszinierenden Ganzen zusammen. Das trifft beispielsweise auf die impressiven Stücke wie Jesteburg, Summer Morning oder Mit Blick aufs Meer zu, während andere eher suggestiv arbeiten. Immer aber lädt die Musik zum Miterleben ein, zum Einlassen auf eine Stimmung oder zum Träumen auf den Flügeln der jeweiligen Melodie.

Acoustic Music / Rough Trade 319.1496.2


 
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